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EVA SCHLEGEL

"Neue Arbeiten"

Die erste Reaktion auf sich Entziehendes ist die Verstärkung des Appetits. Das Zurückweichen des Bildes, auch des Textes, in die Unschärfe, verschärft die Unterstellung, dass sich etwas Großartiges und Geheimnisvolles verberge, etwas, das es verdient, entschleiert zu werden, Aber auch wenn die Okononmie des Geheimnisses sich heute mit etwas weniger drastischen Tönen als in Spätrenaissance und Barock erklären lassen würde, so ist doch zumindest jene Fähigkeit des Unscharfen und sich Entziehenden geblieben, die Aufmerksamkeit des Betrachters in ungewöhnlicher Weise auf sich zu konzentrieren: eben nicht durch eine besondere Information, sondern durch das Unterschreiten des üblichen Informationsniveaus, Darin haben sich auf aufregende Weise Bild und Text im Barock verschworen und in einem bizarren Verwechslungsdrama, das Text für Bild und Bild für Text ausgegeben hat - die Krönung der von Derrida so genannten gräco-romanischen"Grammatologie" - die Emblematik geboren, eine neue, rätselhafte Urschrift, in der, wie in jeder ursprünglichen oder adamitischen Notation, Bild und Text eine Einheit bilden.

Elisabeth von SAMSONOVV

Selbstportät
Titelbild: Selbstporträt, 2000, Foto auf Glas, 43x30 cm

Als Rahmenveranstaltung zum Europäischen Forum Alpbach werden neue Arbeiten gezeigt: Öl/Lack auf Kreidegrund.
Nach Oswald Oberhuber, Gunter Damisch und Hubert Schmalix ist Eva Schlegel bereits die siebte Künstlerin,die die Galerie Schmidt in Reith parallel zum jährlich stattfindenden Europäischen Forum Alpbach präsentiert.

Neben der theoretische Auseinandersetzung mit Schrift hat Eva Schlegel für diese Arbeiten zum ersten Mal (seit langem) den Fotoapparat wieder selbst in die Hand genommen, die Arbeit hat sich langsam verändert: Aufnahmen von Himmel aus dem fahrenden Auto - banale Schnappschüsse werden auf aufwendige Bildgründe übertragen, die Fotografie wird zur Zeichnung transformiert, in zwanzig Schichten wird lasierend Farbe aufgetragen, wobei die Gestik des Pinsels aus der Malerei verschwindet. Die Bildebene ist zweigeteilt: einerseits das Motiv des Himmels, die Wolken mehr oder weniger bewegt und darüber die Oberflache, glänzend, reflektierend und das Bild verschließend.

Die Frauenportraits, die sich aus der Malerei befreiten, sind unscharfe Fotos, kein Gesichtzug ist zu erkennen, keine Regung einer Stimmung, keine hinzugefügten Details um die Person zu definieren, und die Unscharfe verändert zudem oft die Bedeutung der Gesten. Die begleitenden Texte funktionieren wie Briefe oder biografische Details, die alles offen lassen.


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