Die aktuelle Ausstellung |
ANDREA
HOLZINGER
»Neue
Arbeiten«
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"Innen
sind wir nicht so reich wie wir möchten, wir brauchen
die Außenwelt" Paul Klee sagte das einmal und auch nachdem
die Auseinandersetzung mit der Abstraktion als Gestaltungsprinzip,
auf der solche Äußerungen basierten, längst die
Bühne künstlerischer Überlegungen verlassen hat
bleibt die grundsätzliche Teilhaberschaft am Geschäft
des Umgangs mit der Außenwelt," die für künstlerisches
Tun gilt. Freilich ist hier im Sinn Klees Außenwelt noch
nicht als Diskurs von Systemen und operative Basis für Chaostheorien
verstanden sondern bewegt sich als lebendiger Erfahrungsraum, als
Spielraum auch und als für direkte Seherlebnisse guter Alltagsraum
rund um Künstler und ihre Konzepte. Und wird es bleiben, zumindest
wo Malerei und alles was damit an nicht ersetzbaren Strategien
zusammenhängt, das Geschehen bestimmt Eine Künstlerin
für die beides gilt nämlich ein mit Ausschließlichkeit
dem Malen gewidmetes Werk und ein fast selbstverständliches
Agieren und Reagieren auf Dinge, die außen um sie versammelt
sind, ist Andrea Holzinger |
Titelbild:
O.T., 2003, Öl auf Leinwand 120x100cm
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Seit
ihrem 15. Lebensjahr ist Malen der Mittelpunkt ihrer Tätigkeiten.
Das Studium an der Wiener Akademie bei Oswald Oberhuber hat diese
fast ein wenig störrisch anmutende und sich nirgends im
Sinn von Schulung und Vorbildern wirklich festmachende Malkarriere
man könnte fast sagen nur an der Oberfläche tangiert
Jetzt lebt sie schon über zehn Jahre wieder in Innsbruck
das Atelier in wechselnden Arbeitsschüben, aber ständig,
mit Bildern füllend. Sie bilden inzwischen bereits ein stattliches
Oeuvre, für das es mehrfach Ausstellungen gegeben hat Immer
deutlicher bekommt dieses merkwürdige kompositorisch schwer
fassbare Arbeiten, (Spielen, Jonglieren o. dgl.) mit dem Sehinventar
aus Alltags- und Zufallsquellen, wie es Holzinger betreibt unverwechselbare
Züge, leuchtet kräftig als vollblütiges Malprodukt
unter den herrschenden Medienunterfangen (auch und gerade in
Tirol) hervor. Zwei
Dualitäten sind es, die Holzingers Bilder am stärksten
repräsentieren: Zum einen ist es eine erzählerische
Haltung, die sich Frische und Unmittelbarkeit fast auf einer
volkskunstnahen Ebene bewahrt hat. Motive fliegen die Malerin
aus den verschiedensten Bereichen an. Sie sampelt sich asiatische
Bildvorlagen ebenso herunter wie sie mit Barbiepuppenfotos und
dem Duktus von Comics raffinierte Spiele treibt wo bekannte Formenmuster
zu klausulierten Fremdheiten verwandelt werden und schnell weit
weg zu neuen Erfindungen gestrebt wird. Oft scheint es auch bei
simplen Simulationen zu bleiben, da wird dann der neue frische
Erzählton beinahe noch deutlicher bemerkbar. Berge, Himmel,
Schnee und Wolken, also Landschaft haben es diesem ihren schnellen
Festhaltedrang ebenso angetan und sind Teil eines weiteren Zyklus
ihrer neuen Arbeiten. Entfernter von einer topographischen Situation
könnten sie gar nicht sein in ihrer "kalten" Kürzelsprache
mit den unscharfen Konturen, die einen anspringen wie am Bildschirm
ver größerte Fotos. Wie trotz dieser demonstrierten
Un-Natürlichkeit sich Landschaftsempfinden einstellt und
auch "alte" Größen wie blauer Himmel und
Felsstruktur Präsenz bekommen und sich in einer neuen Erzählform
wiederfinden, ist ein bemerkenswerter Vorgang, nicht vorstellbar
ohne prinzipielle Überlegungen, die zum Bildmachen in der
Gegenwart gehören. Holzinger macht sie sozusagen aus dem
Stand der Dinge, aus einer Art instinktivem Zeitfeeling heraus,
so daß ihre Konzepte interessanterweise durchaus in die
aktuelle Diskussion einbindbar sind, wo es um künstlerische
Umsetzung von Denkansätzen geht die zwischen Jargon und
Etymologie' eine Mitte suchen. (Renate Wiehager) Holzingers Jargon
ist diese gänzlich unintellektuelle Annäherung an Motive,
wie sie eben Fotos, eigene oder aus Illustrierten und Büchern,
liefern oder bei Dingen ihrer nächsten Umgebung zu finden
sind. Zur Erzählerin mit etymologischem Charme wird sie,
wenn sie mit kompositorischen Mitteln auf Exzentrik auf Fläche
statt Raum, Teile statt Ganzem, auf Kontur statt Plastik setzt
um so Bedeutungen massiv zu verändern, in Frage zu stellen,
ins Heitere, auch Ironische zu steigern Weil sie eine Erzählerin
ist gibt es bei Holzinger auch immer wechselnde Outfits ihrer
Bilder. Die Formate ändern sich ständig, ihre Wahl
ist stets eine wichtige Entscheidung, die 1 x 1 Meter Größe
für die neuen Landschaftsbilder etwa bringt eine gewisse
Strenge in das was wie ein Zufallsausschnitt wirken könnte,
als Würfel mit bemalter Oberfläche erscheint neunteilig
die Serie mit den Apfelblüten, mit Medaillonformen wird
der Blick auf Affenköpfe leicht melodramatisch umspielt
auch ein schmales Hochformat gehört zu ihrem Repertoire
und beschäftigt sie wegen des Themas Dekor.
In
jeder Phase ihrer Arbeit ist Holziger aber vor allem Malerin
und diese malerischen Qualitäten ihrer Bilder sind zweifellos
ein weiterer Kern der Dinge. Es ist zunächst ein gutes Stück
erprobtes Handwerk das da eingebracht wird: Gemalt wird mit Harz-Ölfarben,
in Schichten, die Leinwände sind sorgfältig weiß grundiert
so dass die Leuchtkraft der Farben garantiert ist der Fächerpinsel
ist im Einsatz und zaubert Unbestimmtheiten in die Umrisse, ein
fotografischer Blick scheint damit transportiert dem die Unschärfe
Stimmung liefert Dann die Palette: Die bevorzugt glatten Flächen
leben in der Kraft voll in den Pinsel genommener Farben, hier
gibt es viel Unmittelbarkeit in den Entscheidungen und diese
Frische, durchaus mit Mut gepaart was das Laute, Satte betrifft
vermittelt es sehr gut: Dass Malen ein Abenteuer ist und dass
bedingungslos uns stetig nach Vielfalt zu streben i@ wenn man
diesen Beruf gewählt hat Holzinger hat das selbst so formuliert:"...wichtig
ist die Ideen sofort umzusetzen, mit der Arbeit zu beginnen,
bevor der Augenblick des Zweifels da ist. Nur so kann man durch
Spontanität eine Vielfalt erzielen."
Magdalena
Hörmann |
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