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ANGELIKA
KRINZINGER
EVA SCHLEGEL
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Titelbild:
Gladiatoren o.T. 2005
Inkjet auf Papier ed. 3
30 x 30 cm oder 12 x 12 cm |
Zeit
im Bild
Da
ist ein Zeitloch, 2000 Jahre fielen durch. Es ist dunkel dort
drin. Man kann es sehen - auf einem Foto.
Und da ist ein Riss, der sich wie eine Gletscherspalte im ZickZack
durch den Schädelknochen fräst.
Angelika Krinzinger fotografierte Schädelverletzungen von Gladiatoren, die
diese vor ca. 1800 in der Arena von Ephesos erleiden mussten. Manche starben
daran. Viele.
Auf einem Foto ist eine Delle im Knochen zu erkennen. Man hört noch das
Krachen, Die Delle sieht einem Auge ähnlich - Geschichte zwinkert.
Die Geschichte eines Moments.
Angelika Krinzinger ist wieder auf Spurensuche. Eine Fährte, der sie nachspürt
ist Schmerz. Ihre Fotos konservieren ihn, machen Ihn sichtbar,
stellen den Moment des Geschehens wieder her: Die Menge tobt, nein. nicht alle.
Manche wenden sich ab. Andere schreien vor Begeisterung.
Der Moment ist vorbei, ist Geschichte, im nächsten Augenblick. Angelika Krinzinger
belichtet ihn in ihrer Serie "Gladiatoren".
Die begeisterte Menge ist längst heimgegangen, in der Anonymität verschwunden.
Der Moment gehört dem Menschen, dessen Schädel auf dem Foto zu sehen ist. Der
Moment gehört der Zeit. Auf den Fotos ist sie still, bewegt sich nicht.
Der Betrachter bleibt allein mit dem Moment. Die Spuren sind einzigartig, losgelöst
aus Masse und Fortdauer, werden sie zum ästhetischen Schauplatz.
Der Schädel bleibt auf den Fotos als komplexes Ganzes erhalten, er steht stellvertretend
für den Körper. Die Fotografin betrachtet ihn auf ihre Weise, löst ihn los und
lässt uns mitschauen. Der Rest ist historisches Mikado mitten im Weltgeschehen.
Angelika Krinzinger hat das Wackeln des Stäbchens eingefangen.Sie hält es fest.
Michael Hausenblas |
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Die
erste Reaktion auf sich Entziehendes ist die Verstärkung des Appetits. Das Zurückweichen des
Bildes, auch des Textes, in die Unschärfe, verschärft
die Unterstellung, dass sich etwas Großartiges und Geheimnisvolles
verberge, etwas, das es verdient, entschleiert zu werden. Aber
auch wenn die Ökonomie des Geheimnisses sich heute mit etwas
weniger drastischen Tönen als in Spätrenaissance und
Barock erklären lassen würde, so ist doch zumindest jene
Fähigkeit des Unscharfen und sich Entziehenden geblieben,
die Aufmerksamkeit des Betrachters in ungewöhnlicher Weise
auf sich zu konzentrieren: eben nicht durch eine besondere Information,
sondern durch das Unterschreiten des üblichen Informationsniveaus.
Darin haben sich auf aufregende Weise Bild und Text im Barock verschworen
und in einem bizarren Verwechslungsdrama, das Text für Bild
und Bild für Text ausgegeben hat - die Krönung der von
Derrida so genannten gräcoromanischen "Grammatologie" -
die Emblematik geboren, eine neue, rätselhafte Urschrift,
in der, wie in jeder ursprünglichen oder adamitischen Notation,
Bild und Text eine Einheit bilden. Elisabeth von SAMSONOW
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o.T.
2005 Lambdaprint 100 x 70 cm ed.
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