Selbst wenn sie im Nu in Echtzeit via Datenhighway weltweit serviert werden, die nackten Leiber Gefangener, zu Skulpturen gruppiert von stolz posierenden SoldatInnen, ist es nichts Neues unter der Sonne & im Kunstlicht, sie könnten in Marmor gemeißelt das Kapitol zieren. Es wird schon lange nach scheinbar unvermeidbaren Mustern arrangiert.
In jüngster Zeit drängen sich vor all gegenwärtigen einäugigen Geräten unzählige Gruppierungen freiwilliger & unfreiwilliger Seilschaften, um Bildbedürfnis, Bilderwartung & Bilderfüllung ohne Scheu vor filmischen Breiten zu befriedigen.
Die Gruppe, eine überschaubare Anzahl, noch nicht Masse, könnte man als Schnittstelle in der Gesellschaft sehen, wo eben diese erprobt wird & Utopien geboren.
In der kunsttechnischen Literatur des 16. & 17. Jh. bezeichnete der
Terminus Gruppo, aus dem unsere heute sehr geläufige Gruppe entlehnt wurde, Kompositionen, die durchdachten Knoten gleich, Beziehungsgeflechte zwischen Menschen, Tieren oder Dingen vorführen.
Die Mailänder Abendmahlgruppe wird nicht nur deshalb so oft in Film und Fotografie nachgestellt, weil man sich kalauernd daran reiben & Aufmerksamkeit erreichen kann, sondern weil die bildinterne Rhetorik eine Welt birgt, die nicht einfach so aus dem Himmel fällt.
Franz Mölk
Titelbild: O.T., 2006, Mischtechnik auf Leinwand, 125x125 cm |